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  • Catharina Sophie Janssen

Der Alptraum eines jeden Vermieters

Aktualisiert: 23. März 2020

Messiwohnung - der Alptraum eines jeden Vermieters. Wenn der Mieter verstirbt und es keine Erben gibt.


Betonwährung - eine Kapitalanlage fürs Alter. Hört sich erstmal gut an! Heutzutage ist der Kauf einer Immobilie für Jedermann gar nicht mehr wegzudenken. Was aber viele unterschätzen ist, dass die Rolle als Vermieter viele Schattenseiten mit sich bringt. Oftmals übernimmt man beim Kauf einer Immobilie die bestehenden Mietverträge. Die Mieter kann man sich in dem Fall nicht selbst aussuchen und man weiß nicht, nach welchen Kriterien damals der Mieter ausgesucht wurde. Schlussendlich kann man den Menschen sowieso nur bis zum Kopf schauen oder in der Lage, nicht großartig wählen zu können, da es wenige Mietinteressenten gibt.




Das Spektrum der „Arschkarte“ ist breit.




Der Mieter zahlt nicht, Personen besetzen durch doofe Ereignisse die Mieteinheit, der Mieter stirbt und die Erben schlagen das Erbe aus oder das Jobcenter stellt nach Ableben des Leistungsempfängers die Mietzahlungen ein. Für die gilt keine Kündigungsfrist. Der größte Horror eines Vermieters ist ein Leichenfund oder die zurückgelassene Messi-Wohnung.

Sowas widerfuhr mir Ende Januar 2020. Ich bekam Bescheid, dass ein Mieter, der immer erreichbar und kooperativ war, verstarb. Bis dato kam die Miete auch immer pünktlich und sicher vom Jobcenter. Erstmal muss man sich bei einem solchen Mietverhältnis keine Sorgen machen. Bis der Mieter dann stirbt! Was einem keiner sagt: Nach dem Ableben einer Person, die vom Amt als Leistungsempfänger Geld bezieht, werden jegliche Zahlungen sofort eingestellt. Bedeutet: Es fließen keine Mietzahlungen mehr und das Jobcenter will ggf. auch noch die zu viel bezahlte Miete zurück haben. An eine 3-monatige Kündigungsfrist ist da nicht zu denken. Da ich wusste, dass der Mieter ein schweres Leben hatte und zu seinen Eltern keinen Kontakt, habe ich vorsorglich direkt einen Nachlasspfleger über das Amtsgericht bestellt, um den Nachlassprozess zu beschleunigen. Dieses musste auch richtig old-school per Post bestellt werden. Meine Intuition war auch richtig! Die Eltern haben beide das Erbe ausgeschlagen. Schlussendlich hätten die Eltern auch nichts besseres machen können. So etwas, was ich dort vorgefunden habe, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Nachdem einige Wochen ins Land gingen und mir die Hände gebunden waren, durfte ich die Wohnung endlich betreten. Die Nachlasspfleger und ich sind zusammen in die Wohnung eingestiegen. Leider waren keine Wohnungsschlüssel mehr vorhanden. Somit musste das Türschloss aufgebrochen werden. Ein gewaltiger Gestank kam uns entgegen. Es war eine Messi-Wohnung. Eine Messi-Wohnung, die anders war.


Der Mieter war Mitte 30 und wohnte über 10 Jahre in dieser 2-Zimmer, Küche, Bad Wohnung. Jeder Raum war leer. Es waren keine Möbelstücke vorhanden. Das einstige Wohnzimmer war bis unter die Decke voll Müll aller Art. Fein säuberlich sortiert. In der ganzen Wohnung standen ordentlich aufgereihte Bier-Pfandflaschen mit Inhalt. Ein suspekter Anblick. Zusätzlich war eine enorme Technik in der Wohnung vorzufinden. Laptops jeglicher Marken, Bildschirme, Server etc. Ich habe direkt das Vermieterpfandrecht geltend gemacht. Das Schreiben, welches ich den Nachlasspflegern übergeben habe, hatte ich bereits vorbereitet. Somit durften die Nachlasspfleger nichts mitnehmen.

Umso mehr ich mich nüchtern mit dem Thema beschäftigt habe und Informationen bekam, um so interessanter war die Thematik. Der Verstorbene, der Mitte 30 war, hatte den US-amerikanischen Unternehmer Howard Hughes als Vorbild. Er lebte nach seiner Biografie.


Er lebte sehr minimalistisch, sortierte seine Post, die ab 2011 nicht mehr geöffnet wurde, seinen Müll und war schwer Medikamenten- und Alkoholabhängig. Er schlief auf seinem Müllberg. Ein Genie, welches dem Alkohol verfallen war.

Für unsereins nicht vorstellbar.

Der Verstorbene hat mir einen Scherbenhaufen hinterlassen. Ich habe nicht lange gewartet und mich mit diesem neuen Thema beschäftigt. Mein erster Ansprechpartner: Dr. Google. Ich fand eine Spezialfirma in meinem Umkreis und wir verabredeten uns. Warst Du schon einmal mit einem Tatortreiniger Kaffee trinken? Wirklich interessant, wenn man für solche Themen etwas über hat.


Wir vereinbarten eine Räumung und das Entfernen des gesamten Badezimmers und der Türen inkl. Zargen. Auf diese Kosten bleibe ich natürlich sitzen.


2.500 Euro später war die Wohnung leer und sanierungsbereit.

Jeversche Landstraße 3 - 26419 Schortens - 0170/5429685 - info@csj-immobilien.com

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